Pfotenwerte

Tierkrankenversicherung und OP-Versicherung

Was die beiden abdecken, welche Begriffe im Kleingedruckten zählen — und warum der Erstattungssatz wichtiger ist als der Beitrag.

Erklärung

Drei Versicherungen, die oft verwechselt werden

Vergleich der drei Versicherungsarten. Die erste Spalte nennt die Versicherung, die weiteren, was sie abdeckt, wen sie schützt und ob sie vorgeschrieben ist.
VersicherungZahlt fürGeschütztes TierPflicht?
HaftpflichtSchäden, die dein Tier anderen zufügtnicht dein Tier — der Geschädigteteilweise — für Hunde je nach Bundesland
OP-VersicherungOperationen samt Vor- und Nachbehandlungdein Tiernein
KrankenversicherungOperationen und ambulante Behandlung, je nach Vertrag auch Vorsorgedein Tiernein

Die häufigste Verwechslung ist die erste Zeile: Eine Haftpflicht zahlt keine Tierarztkosten für das eigene Tier. Ob sie bei dir Pflicht ist, rechnet der Hundekosten-Rechner nach Bundesland aus.

Warum der Erstattungssatz die eigentliche Zahl ist

Die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte erlaubt den 1- bis 3-fachen Satz, im Notdienst den 4-fachen. Dieselbe Leistung kann damit das Vierfache kosten, ohne dass irgendjemand falsch abrechnet. Ein Vertrag, der nur bis zum 2-fachen Satz erstattet, lässt dich genau dann allein, wenn es teuer wird.

Am Beispiel der teuersten hier belegten Position — kastration kätzin, eierstöcke und gebärmutter: Die Gebühr beträgt 211,82 € im üblichen zweifachen Satz, 317,73 € im dreifachen und 423,64 € im Notdienst. Zwischen dem Satz, den ein Vertrag erstattet, und dem, den die Praxis abrechnet, liegt also eine dreistellige Differenz — je Position, und eine Operation besteht aus mehreren.

Alle Beträge und die vollständige Positionsliste stehen unter Tierarztkosten nach GOT. Narkose und Narkosemittel sind dort nicht enthalten — sie werden getrennt und nach Körpergewicht abgerechnet.

Die sechs Begriffe, an denen sich Verträge unterscheiden

Der Beitrag ist die Zahl, die beworben wird. Diese sechs entscheiden, was der Vertrag im Ernstfall leistet.

Selbstbeteiligung
Der Anteil jeder Rechnung, den du selbst trägst — entweder als fester Betrag je Fall oder als Prozentsatz. Ein niedriger Beitrag geht fast immer mit einer höheren Selbstbeteiligung einher.
Erstattungssatz
Bis zu welchem Satz der Gebührenordnung erstattet wird. Ein Vertrag, der nur bis zum zweifachen Satz zahlt, lässt dich bei einer Rechnung zum drei- oder vierfachen Satz auf dem Rest sitzen — genau dann, wenn es teuer wird.
Jahreshöchstgrenze
Der Deckel, bis zu dem in einem Versicherungsjahr überhaupt gezahlt wird. Manche Verträge staffeln ihn über die ersten Jahre.
Wartezeit
Die Zeit zwischen Vertragsbeginn und Leistungsbeginn. Wer erst abschliesst, wenn das Tier hustet, ist in dieser Zeit nicht versichert.
Vorerkrankungen
Was bei Abschluss schon bekannt ist, ist üblicherweise ausgeschlossen. Das ist der Grund, warum der Abschlusszeitpunkt über den Wert des Vertrags entscheidet.
Beitragsanpassung
Ob und wie der Beitrag mit dem Alter des Tieres steigt. Über ein Tierleben ist das oft die grössere Zahl als die Höhe des Startbeitrags.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen OP-Versicherung und Tierkrankenversicherung?

Eine OP-Versicherung zahlt nur bei Operationen samt Vor- und Nachbehandlung. Eine Tierkrankenversicherung schliesst zusätzlich die ambulante Behandlung ein — Untersuchungen, Medikamente, Diagnostik, je nach Vertrag auch Vorsorge. Die OP-Versicherung ist deshalb deutlich günstiger und deckt den seltenen, teuren Fall; die Krankenversicherung deckt auch den häufigen, kleinen.

Deckt eine Hundehaftpflicht auch Tierarztkosten?

Nein. Die Haftpflicht zahlt Schäden, die dein Tier anderen zufügt — nicht die Behandlung deines eigenen Tieres. Das sind zwei völlig verschiedene Versicherungen. Die Hundehaftpflicht ist in sieben Bundesländern für alle Hunde Pflicht, die Krankenversicherung nirgendwo.

Ab wann lohnt sich eine Tierkrankenversicherung?

Das lässt sich nicht allgemein beantworten, weil es davon abhängt, ob ein teurer Fall eintritt. Rechnerisch trägt eine Versicherung dann, wenn die Beiträge über die Vertragsdauer unter den erwarteten Behandlungskosten liegen. Entscheidend sind dabei weniger die Routinekosten als die seltenen grossen Rechnungen — und der Erstattungssatz, bis zu dem der Vertrag der Gebührenordnung folgt.

Warum ist der Erstattungssatz wichtiger als der Beitrag?

Weil die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte den ein- bis dreifachen Satz erlaubt und im Notdienst den vierfachen. Ein Vertrag, der nur bis zum zweifachen Satz erstattet, deckt eine Notdienstrechnung nur zur Hälfte. Der Beitrag entscheidet, was die Versicherung kostet; der Erstattungssatz entscheidet, was sie im Ernstfall wert ist.

Woran sich die Entscheidung bemisst

Eine Versicherung tauscht eine ungewisse grosse Zahlung gegen eine sichere kleine. Rechnerisch trägt sie, wenn die Beiträge über die Vertragsdauer unter den Behandlungskosten liegen, die tatsächlich anfallen — und das weiss vorher niemand. Deshalb ist die nüchterne Frage nicht „lohnt sich das im Schnitt", sondern: Könntest du eine Rechnung über mehrere tausend Euro aus eigener Kraft bezahlen, ohne dass die Behandlung an der Finanzierung scheitert? Wer sie bezahlen kann, versichert eine Unannehmlichkeit. Wer sie nicht bezahlen kann, versichert die Behandlung selbst.

Der zweite nüchterne Punkt ist der Zeitpunkt. Was bei Abschluss schon bekannt ist, gilt als Vorerkrankung und ist üblicherweise ausgeschlossen. Ein Vertrag wird also nicht dadurch besser, dass man mit ihm wartet.

Was diese Seite nicht ist. Wir vermitteln keine Versicherungen, beraten nicht und nennen bewusst keine Tarife, Beiträge oder Anbieter — nichts davon könnten wir belegen, und eine erfundene Zahl beträfe hier eine Entscheidung über mehrere hundert Euro im Jahr. Für die Auswahl eines Vertrags sind die Versicherungsbedingungen massgeblich, nicht diese Erklärung. Wie sich diese Seite finanziert, steht in der Transparenzerklärung.

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